GHOSTBOX

Der Tod ist nicht das Ende (Staffel 1) -  Von Ivar Leon Menger

 

Audible Studios

Gesamtspielzeit: 10 Stunden und 30 Minuten

VÖ: 25. Januar 2019

CD-Cover Ghostbox

„Das ist sie also. Die Ghostbox. – Ja! – Und wie, naja wie funktioniert das? Wie speichert ihr die Gedanken auf die Maschine? – Das ist alles sehr komplex. Aber du musst dir das so vorstellen. Unser Gehirn hat mehrere Millionen Gigabyte an Daten. Das ist eine gigantische Menge an Informationen. – Mehrere Millionen? – Ja. Um sie zu übertragen, bräuchte unser System mehr als fünf Stunden. Deshalb haben wir die Daten unter anderem auch verpackt. – Wie? Verpackt? So wie eine ZIP-Datei? – Hm, ja. So ähnlich. Thomas hat ein Programm geschrieben, dass die gespeicherten Erinnerungen eines Menschen komprimiert. Auf ein Minimum von Daten. Wie ein .jpg oder .mp3. Das war sein größter Durchbruch. – Aber Magnus hat mir gesagt, dass die Hirnströme viel zu komplex sind, um sie auszulesen. – Das stimmt auch. Unsere Software kann sie nicht auslesen. Sie kopiert die Datenströme nur. Auf die Ghostbox.“

 

Schon seit Wochen ist Lena Gruenwald auf der Suche nach der perfekten Story, um endlich als Redakteurin beim Berliner Tagesspiegel übernommen zu werden. Dabei wird die junge Journalismus-Praktikantin von einem Thema ganz besonders angezogen: dem Jenseits. Auch auf Lenas privatem Youtube-Kanal dreht sich alles nur um Geister, Ouija-Boards oder Tarotkarten.

Doch eines Tages kommt die Dreiundzwanzigjährige dem Tod näher, als sie geahnt hätte – beginnend mit einer unerwarteten Nachricht aus Heidelberg: Ihr Bruder, zu dem sie seit Jahren keinen Kontakt mehr hat, hat sich aus unerklärlichen Gründen das Leben genommen. Widerwillig reist Lena in die romantische Touristenstadt am Neckar, um seinen Nachlass zu regeln.

Dabei stößt sie auf ein dunkles Geheimnis – eine revolutionäre, hochgeheime Forschung an der Uniklinik Heidelberg, an der auch ihr Bruder mitgearbeitet hat. Eine Maschine, mit der die Erfüllung eines Menschheitstraums bald Wirklichkeit werden soll. Um die Hintergründe seines Suizids besser zu verstehen, begibt sich Lena auf eine gefährliche Recherche-Reise, bei der sie nicht nur ihren Verstand zu verlieren droht, sondern auch ihr Leben …

 

Das Warten hat sich gelohnt

Dass Hörspiele von Ivar Leon Menger ganz besondere Hörspiele sind, weiß inzwischen jeder, der sich bisschen in der deutschen Hörspiel-Szene auskennt. Von daher ist es auch kein Wunder, dass das neue Werk von Menger schon lange vor dem offiziellen Erscheinungstermin in aller Munde war. In Foren und Hörspiel-Gruppen wurde die Zeit runtergezählt, bis GHOSTBOX endlich verfügbar war.

Und was soll ich jetzt anderes sagen: Das Warten hat sich gelohnt, so was von gelohnt. GHOSTBOX ist ein wahres Meisterwerk geworden, ein Meisterwerk das es verdient, öfter gehört zu werden. Wer dafür die Zeit findet (immerhin umfasst das Werk geschlagene 630 Minuten), wird damit belohnt, Dinge zu hören, wahrzunehmen und einordnen zu können, welche beim ersten Hören einfach verborgen bleiben. Denn, ohne jetzt zu viel vorweg zu nehmen, die Story ist sehr komplex und ebenso verschachtelt mit vielen Zeitsprüngen. Verschiedenen Personen stehen im Mittelpunkt verschiedener Szenen und selbst dem stets aufmerksamen Hörer ist sicherlich nicht durchgehend klar, in welcher Zeit und vor allem in wessen Erinnerung das Geschehen gerade stattfindet Doch nach und nach erschließt sich dem Hörer immer mehr, Handlungsstränge werden wiederholt und lassen sich schließlich korrekt einordnen.

Viel mehr möchte ich über die Story leider auch gar nicht verraten – denn schließlich macht das Mitfiebern und die verworrenen Handlungsstränge gerade diesen großartigen Hörgenuss aus. Jede Information, mag sie auch noch so nebensächlich sein, könnte schon als spoilern ausgelegt werden. Die GHOSTBOX muss man einfach selber hören.

 

Crème de la Crème der deutschen Synchronsprecherriege

Menger verfügt jedoch nicht nur über ein Händchen für komplexe, penibel durchdachte Storys, die viel Aufmerksamkeit benötigen. Ich denke, dass auch ein Großteil der akquirierten Sprecherriege auf sein Konto geht. Nahezu das Who is Who der namhaften Sprecher des deutschen Hörspiels ist hier vertreten.

So sind in den Hauptrollen der GHOSTBOX zum Beispiel Yvonne Greitzke (Lena Gruenwald), Nico Sablik (KOK Kevin Damboldt), Joachim Tennstedt (KHK Axel Fuchs), Peter Flechtner (Frank Hoffmann), Patrick Bach (Daniel Gruenwald) diejenigen Sprecher, die man überwiegend als Hauptakteure bezeichnen kann.

In den Nebenrollen (!!!), ich betone es gerne noch mal, in den Nebenrollen sind dann Stimmen von Detlef Bierstedt, David Nathan, Erich Räuker, Thomas Schmuckert, Ranga Yogeshwar, Jens Riewa, Wolfgang Condrus oder auch Sebastian Fitzek zu hören. Was will man mehr? Und diese Namen sind nur ein Auszug aus der umfangreichen Besetzungsliste.

Eine komplette Übersicht findet sich auch auf der Homepage des Hörspiels www.ghostbox.de. Aber auch hier besteht eine gewisse Spoiler-Gefahr. Ich empfehle den Aufruf daher erst auch nach dem Hören.

 

Durchgehend ein hohes Niveau

Dass sich bei GHOSTBOX nicht nur die Sprecherriege, sondern auch der „akustische Rest“ der Produktion auf einem sehr hohen Niveau befindet, muss ich wahrscheinlich gar nicht erwähnen, oder? Ich tue es aber trotzdem, denn es ist einfach schön, ein Hörspiel zu hören, in dem wahrlich alles passt. Gespräche überlagern sich, werden geschickt ausgeblendet, akustisch werden schnelle Szenenwechsel verdeutlicht. Man fühlt sich mittendrin. Das Hören über den Kopfhörer zieht einen regelrecht ins Geschehen, macht süchtig, man muss immer weiter hören.

Zudem wirkt hier keines der Geräusche konstruiert oder gekünstelt. GHOSTBOX ist echt. Beängstigend echt. So echt, dass man zum Nachdenken kommt. – Wie war das noch mal mit dem B-LED…?

 

Mein Fazit:

Was für ein wundervoller Auftakt in ein neues Hörspiel-Jahr. Mit GHOSTBOX wird die Messlatte gleich mal so richtig hoch gehängt. GHOSTBOX ist ein Hörspiel, über das nicht nur jetzt, sondern auch Ende des Jahres sicherlich noch gerne und viel gesprochen werden wird. Zumal es „die 1. Staffel“ ist. Ich bin sehr gespannt, ob es weiter geht, wie und wann es weiter geht und ob Ivar es schafft, mit der 2. Staffel noch „einen drauf zu setzen“, denn viel mehr geht eigentlich gar nicht!


07. Februar 2019