GRUSELKABINETT - 156 –  Krabat

Gruselkabinett

156 Krabat

Titania Medien

Gesamtspielzeit: ca. 83 Minuten

Altersempfehlung ab 14 Jahren

VÖ: 28.02.2020

CD-Cover Gruselkabinett Folge 156 Krabat

„Wie ihr seht, habe ich hier zwei Tauben. – Mhm, eine schwarze und eine weiße. – Ganz recht. Und schon habe ich beide Köpfe in den Händen. Wer von euch erweckt die bedauernswerten Tierchen wieder zum Leben? Na? Wie wäre es mit dir Jakub? – Ich? – Nur zu. Nicht so schüchtern. Tritt vor. Mach dich ans Werk. (…) Nicht ganz schlecht. Aber ich hätte es doch weit besser und richtiger gefunden, wenn der weiße Kopf auf dem weißen Rumpf gelandet wäre und der schwarze Kopf auf dem schwarzen. (…) Krabat? – Ja, Meister? – Bring Jakubs Missgeschick rasch wieder in Ordnung. Wie immer. Ich weiß, dass du es kannst. – Nichts leichter als das. – Sehr gut. Und schon flattert sie wieder herum, als sei nie etwas gewesen.“

 

Eutrich bei Königswartha, Ende des 17. Jahrhunderts: Der junge Gänsehüter Krabat wird Mühlknappe in der sogenannten Teufelsmühle. Schnell stellt er fest, dass sein Dienstherr in Wahrheit ein Hexenmeister ist, der Schwarze Kunst beherrscht. Als Krabat sich näher mit den Lehren des Müllers befasst und alsbald einen Pakt mit dem Teufel eingehen muss, wird ihm klar, dass er in der Falle sitzt und in tödlicher Gefahr schwebt.

 

Krabat ist eine Sage

Krabat von Otfried Preußler ist sicherlich vielen ein Begriff. Aber wusstet ihr auch, dass sich Preußler mit seiner Geschichte auf die sorbischen Krabat-Sage bezieht? Die eigentliche Krabat-Sage ist eine variabel zusammengesetzte Kollektion sagen- und märchenhafter Episoden, die einer Person namens Krabat zugeschrieben und durch eine ebenfalls variierende Rahmenerzählung miteinander verknüpft wurden. Krabat wird darin als anfangs gewöhnlicher aber armer Junge geschildert, der in der Teufelsmühle in den Besitz von Zauberkräften gelangt, die er später überwiegend zu guten Zwecken einsetzt. Schauplatz des Geschehens ist hauptsächlich die Gegend in der Oberlausitz.

 

Eine Sage mit Magie

Nach dieser gleichnamigen Erzählung aus dem Sagenbuch des Königreichs Sachen hat Marc Gruppe die 156 Folge der Gruselkabinett-Reihe erschaffen und ist somit weit weg von einem vermeidlichen Kinderhörspiel. Wieder mal gelingt es dem Titania Medien Team ein stimmungsvolles Hörspiel zu kreieren. Der Zauber und die Magie von Krabat wirken also auch als Hörspiel …

 

Großer Cast

Dies liegt sicherlich zum einen an der wie immer bestens gewählten Sprecherriege. Anscheinend ist man bei der letzten Sherlock Holmes-Produktion auf den Geschmack einer großen Riege zu kommen, sind hier doch auch knapp 25 verschiedene Schauspieler aktiv. Und dabei reihen sich die großen Namen mal wieder nahtlos aneinander: Peter Weis führt als Erzähler durch die Sage. Mit seiner Stimme, von dessen Timbre so mancher Geschichtenerzähler bestimmt nachts träumt, ist der die perfekte Besetzung und hat so schon einen großen Anteil an der düsteren und mitunter auch märchenhaften Stimmung dieses Hörspiels. An seiner Seite agieren Tom Raczko als Krabat, dem man ebenfalls die Rolle des jungen Mannes abnimmt, der seine Platz in der Welt noch finden muss. In weiteren Rollen sind Horst Naumann, Detlef Bierstedt, Axel Lutter und viele weitere Große zu finden. Und auch auf weibliche Stimmen muss in dieser Produktion niemand verzichten. Regina Lemnitz oder Reinhilt Schneider sind unter ihnen wohl die bekanntesten.

 

Geräusche dürfen wirken

Doch wie gewohnt überzeugt nicht nur die Besetzung. Auch akustisch bleiben hier keine Wünsche offen. Ganz im Gegenteil, bei einer Spieldauer von über 80 Minuten hat man Zeit, die Geräusche bestens in Szene zu setzen – was nicht nur in der Sequenz mit den geköpften Tauben bestens gelingt. Und gerade das begeistert mich an diesem Hörspiel – hier bekommen alles seinen Raum, um zu wirken und um die Wirkung zu entfalten . Das Kopfkino darf sich ein eigenes Bild vom Gehörten machen und so soll es ja auch eigentlich sein.

 

Mein Fazit:

Mir hat diese Krabat-Version sehr gut gefallen, hat man doch von Seiten Titania belegt, dass Krabat weit mehr sein kann, als ein klassisches Kinderbuch – auch wenn es selbstredend diverse Parallelen dazu gibt. Aber allein mit den richtigen Stimmen sowie mit gut ausgewählten  Geräuschen kann man erreichen, dass sich auch bei Erwachsenen beim Hören dieser (bekannten) Geschichte noch Gänsehaut-Momente einstellen. 


Mareike Lümkemann

 

27. Februar 2020