Krieg der Welten - Teil 3

 

Folgenreich

Gesamtspielzeit: 56 Minuten

Altersempfehlung ab 12 Jahren

VÖ: 10. August 2018

CD-Cover Krieg der Welten 1

„Ein Dreibein passierte uns so nah, dass wir es mit einem Stein hätten treffen können. Es stapfte aufs Feld hinaus, wo ein zweites Dreibein auf es wartete. – Sie treffen sich. Sehen Sie? Da! – Die beiden Kampfmaschinen blieben nur wenige Yards voneinander entfernt stehen. Eine Weile lang passierte nichts. Dann aber öffnete sich an der Kopfoberseite einer der Dreibeine eine Luke und eine dunkle Masse schob sich heraus. – Ein Marsianer!“

 

Der bahnbrechende sowie zeitlose Klassiker „Krieg der Welten“ von H.G. WELLS begeistert seit über 100 Jahren nicht nur die Fans der Science Fiction. In diesem Hörspiel wird das Spektakel um einen Angriff auf die Menschheit aus dem All zum Kopfkino der Superlative und stellt die Frage: Wie verhält sich der Mensch, wenn die Ordnung zusammenbricht? Im Krieg und in der Hoffnungslosigkeit — angesichts einer außerirdischen Übermacht, die nur ein Ziel zu kennen scheint: Die Bewohner der Erde zu vernichten.

 

Puh, weiter geht es mit der finalen Folge des Krieges der Welten. Diese Folge schließt nahtlos an den ersten Teil an und somit steht der Journalist Simon Schuster wieder einmal im Mittelpunkt. Simon nimmt den Hörer mit, mitten rein in den Krieg der Welten und lässt ihn hautnah am Geschehen und Schrecken teilhaben. Schuster, der wie auch im ersten Teil schon ganz großartig von Dietmar Wunder gesprochen wird, hat abermals die Erzählerrolle intus. Vielen mögen diese Erzählfrequenzen zu lang erscheinen, mir hingegen haben sie ausgezeichnet gefallen, da sie den Hörer in gewohnt charismatischer Manier durch das Hörspiel führen. Auch den leichten Hall, den die Erzählsequenzen zur Verdeutlichung eben dieser erhalten haben, empfand ich als äußerst angenehm und gelungen umgesetzt. Wunders Stimme ist gehört einfach zu denen, die man immer wieder gerne hört.

Apropos Stimmen. Bemerkens- und somit erwähnenswert an diesem Hörspiel finde ich, dass die kompletten 60 Minuten mit nur vier Sprechern gestaltet werden und dass diese reduzierte Umsetzung aber an keiner Stelle minimalistisch wirkt. So sind z.B. auch die Dialoge zwischen der Hauptperson Simon und dem Kurat hervorragend umgesetzt. Dietmar Wunder und Peter Fletscher als erzwungenes Team in der Not sind auf ganzer Linie überzeugend. Man nimmt den beiden in jeder Sequenz die Rollen, die sie zu sprechen haben, ab. Man spürt die Antipathie zwischen beiden, die das Script vorgibt. Und ihre Dialoge sind oft von solch einer Disharmonie, dass ich hoffe, dass es im wahren Leben anders ist zwischen den beiden. Denn es wäre wirklich schade, wenn zwei solch tolle Stimmen nicht öfter gemeinsam zu hören wären.

Der Spannungsbogen ist auch in dieser Folge gewohnt hoch, die Umsetzung eines Blockbusters würdig. Die Geräuschkulisse ist nach wie vor imposant und man kann vor dem inneren Auge die Zerstörung, die Energiestrahlen der Marsianer sehen.

Lediglich das Ende kam für mich dann doch sehr plötzlich und fast ein wenig zu einfach. Aber hier hält man sich bei der Umsetzung einfach nah ans Original. Dennoch hätte ich nach solch einem Hörgenuss auch nichts gegen einen erneuten Knall, gegen eine unerwartete, finale Wendung gehabt.

Anmerken möchte ich auch noch die vielen philosophischen Gedankengänge von Schuster, die er im Dialog im dem nicht sehr christlichen Kuraten immer wieder offenbart. Wie schon so oft bei der Umsetzung der H.G. Wells-Hörspiele von Folgenreich, werden diese den einen oder anderen Hörer sicherlich auch wieder zum Denken anregen. Selbstverständlich auch hier ohne aufdringlich zu sein oder belehren zu wollen.

 

Mein Fazit: Ein großartiger dritter Teil. 60 Minuten die einen voll vereinamen. Modern und doch nah am Original. So macht ein Hörspiel Spaß! Ich denke, ich werde jetzt einfach noch mal alle drei Folgen hintereinander weg hören, um noch einmal in den Genuss der „geballten Ladung“ zu kommen.

Danke für diese großartige Hörspiel-Reihe mit vielen Denkanstößen!

 


16. August 2018