GRUSELKABINETT - 162 –  Das gemiedene Haus

Gruselkabinett

162 - Howard Phillips Lovecraft – Das gemiedene Haus

Titania Medien

Gesamtspielzeit: ca. 70 Minuten

Altersempfehlung ab 14 Jahren

VÖ: 28.08.2020

CD-Cover Gruselkabinett Folge 161 Heimflug

„Das Haus in der Benefit Street ist im Grunde nie wirklich als Spukhaus betrachtet worden. Das ist es auch was den Fall in meinen Augen so überaus interessant macht. (…) Nach allem, was dort geschehen ist, war es der Besitzer-Familie irgendwann eben unmöglich, noch Mieter zu finden. Was nicht groß verwundern dürfte. (…) Feststeht, dass diese Todesfäll keine waren, die die Menschen urplötzlich aus dem Leben gerissen haben. Wir haben es eher mit einem langsamen, einem einem schleichenden, versiegen der Lebenskraft zu tun. Auch bei jungen Menschen im Übrigen… Man könnte sogar sagen, besonders bei jungen Menschen.“

 

Providence, 1919:

Was ist dran an den unheimlichen Gerüchten um das Haus der Familie Harris, das nach unzähligen Todesfällen, die es dort gab, nun nicht mehr bewohnt wird? Dr. Elihu Whipple und sein Neffe wollen dem Rätsel auf die Spur kommen und beschließen, eine Nacht im Keller des Gebäudes zu verbringen, um das vermeintliche Böse auszurotten. Ihr Gegner erwartet sie dort bereits...

 

Knisterndes Kaminfeuer

Wer wie ich die Gruselkabinett-Folgen liebt, bei denen das Kaminfeuer im Hintergrund knistert und Schauergeschichten sowohl erzählt als auch erlebt werden, der wird diese Folge lieben. Mich hat sie auf jedem Fall ganz besonders in ihren Bann gezogen. Die Atmosphäre, die im Zwiegespräch zwischen Howard und Dr. Elihu Whipple aufgebaut wird, ist nämlich wirklich einmalig gruselig, spannend und ergreifend. Dabei passiert zu Anfang eigentlich gar nicht so viel: Die beiden Herren unterhalten sich (vor dem knisternden Kaminfeuer) über ein leerstehendes Haus, in dem viele junge Menschen einen langsamen, schleichenden Tod gefunden haben, wenn sie zu lange geblieben sind. Während dieses Gespräches entdecken beide Männer ihre Abenteuerlust beziehungsweise es entsteht das Begehren, diesen ominösen Todesfällen auf den Grund zu gehen. Um dem Rätsel also hautnah auf die Spur zu kommen, planen sie, eine Nacht im Keller zu verbringen. Dieses Unterfangen hat allerdings gravierende Folgen…

 

Sehr viele große Namen

Auch wenn ich mich wiederhole, es ist wunderbar Bene Gutjan (als Howard) und Jürgen Thormann (als Onkel Elihu) zu lauschen. Sie leben und lieben ihre Rollen. An keiner Stelle stellt man ihre Personen, Aussagen oder Absichten in Frage. Ganz im Gegenteil, ihren Darbietungen ist es zu verdanken, dass man als Hörer nahezu in diese Folge eingesogen wird.

An ihrer Seite agieren viele große Stimmen. Dirk Petrick, David Nathan, Patrick Bach, Dietmar Wunder oder auch Horst Naumann wären hier zu nennen – auch, wenn manche von ihnen nur überraschend kurz zu hören sind. Zusammen mit ihren ungenannten Sprecherkollegen bescheren sie ein einmaliges und einnehmendes Hörspielerlebnis, das man wunderbar öfter genießen kann.

 

Schimmel und Salpeter

Zusammen mit den intensiven Beschreibungen von Haus und Begebenheiten, der unheimlichen Atmosphäre und den geweckten Erwartungen an den Ursprung allen Übels kommt man nicht umher, durchweg gespannt zu lauschen. Gefühlt legt sich der grüne Schein (welcher auf dem Cover der Folge 162, der die unheimliche Stimmung im Keller verdeutlichen und Schimmel und Salpeter visualisieren soll) während der knapp 70 Minunten quasi auch auf den Hörer, nimmt von ihm Besitz und legt sich wie ein ungutes Gefühl diesen und sorgt so für die passenden Gänsehautmomente während diese Hörgenusses.

 

Lovecraft und reale Vorbilder

Die Geschichte stammt aus der Feder des großen H. P. Lovecraft und bezieht sich auf ein tatsächlich noch existierendes Haus in Providence, das in der Benefit Street steht und um 1763 erbaut wurde. Hier sollen ebenfalls schlimme Dinge geschehen sein. Und auch die Figuren dieser Geschichte haben reale Vorbilder. So ist Elihu zum Beispiel einem verstorbenen Onkel von Lovecraft nachempfunden und auch Jacques Roulet hat ein reales Vorbild.

 

Mein Fazit:

Eine neue, große Gruselkabinett-Folge mit einem äußerst interessanten und sicherlich auch recht unerwarteten Ende. Einem Ende, das für mich einmal wieder etwas mehr ausgeschmückt hätte werden können. Aber wie so oft, ist man von Seiten Titania Medien dem Original auch hier treu geblieben und bauscht hier, sachlich betrachtet, nichts unnötig auf.
Und wer weiß, vielleicht wird die noch recht unpopuläre Methode, diese speziellen Wesen auf diese Art und Weise auszuschalten, irgendwann eine reizvolle Alternative für den einen oder anderen Dämonenkiller oder Geisterjäger…


12. September 2020