Küstenkrimi: Blutige Wogen Teil 1

Frank Hammerschmidt

Blutige Wogen Teil 1

Contendo Media

Gesamtspielzeit: ca. 65 Minuten

VÖ-Form: Digital

VÖ: 16.06.2023

CD-Cover Küstenkrimi - Blutige Wogen Teil 1

„Prahl?! – Lukas hier. – Ah, hallo! – Ich dachte mir, vielleicht hast du Lust, etwas zu unternehmen? – Ne, sorry. Heute nicht. Hatte eine unschöne Begegnung mit deinem Freund Ben. – Ben ist nicht mein Freund. Ich hänge nur manchmal bei ihm ab. Das ist alles. Vorzugsweise, wenn er ne Party schmeißt. – Aha. – Willst du mir sagen, was passiert ist? – Ne, im Moment nicht. Später. Jenny und ich sind gerade auf dem Weg zu Herrn Riedenkamp. Wir werden ihm sagen, was für ein Schwein sein Sohn ist.“

 

Klappentext:

Antonia Prahl hat großes Glück, dass ihr Onkel zurück nach Stralsund zieht. Dem Ort, in dem sie studieren möchte. Natürlich nimmt sie das Angebot an, bei ihm und seiner Familie zu wohnen. Mit ihrer Cousine stürzt sie sich ins Studentenleben, doch ein dunkles Geheimnis bringt sie in tödliche Gefahr.

 

Vom Sauerland an die Küste

Tobias Freiburg zieht mit Tochter und Ehefrau aus dem Sauerland zurück nach Stralsund, in den Ort seiner Kindheit und Jugend. Da seine Nichte in Stralsund studieren möchte, ist es kein Problem, dass diese vorerst bei seiner Familie wohnt. Die Mädchen, jung und sorgenfrei, stürzen sich sogleich ins Studentenleben, gehen auf Partys und lernen Jungs kennen. Doch nicht nur diese gehören zu ihrem neuen Bekanntenkreis, auch ein Obdachlosen-Paar rückt immer wieder in ihr Leben – und dies mit blutigen Folgen.

 

Krimi mit Spannung und Tiefe

Bereits von der ersten Folge an bin ich ein Fan der Küstenkrimis. Da ist es kein Wunder, das mich auch die „Blutigen Wogen“ begeistern. Wie viele Vorgänger ist auch dieses Hörspiel als Zweiteiler ausgelegt, was zur Folge hat, dass man sich entspannt viel Zeit nimmt, um Protagonisten einzuführen und kennenzulernen und so die Gelegenheit bekommt, an ihrem Alltag und ihren Sorgen teilzunehmen. Die Akteure erhalten auf diese Weise viel Tiefe und die Spannung wird mitunter fast schon subtil gesteigert, da zumindest ich es kaum erwarten konnte, dass es „richtig“ los geht.

Zudem erhält dieses Hörspiel für mein Empfinden so auch einen gewissen Anspruch, der anderen Produktion auf Grund der kurzen Hördauer manchmal etwas fehlen mag. Dabei gelingt es trotz aller Ruhe, die das Hörspiel in der ersten Hälfte ausstrahlt, zum Ende hin viel Dramatik und Action zu präsentieren, so dass man – wie so oft – dem zweiten Teil ungeduldig entgegenfiebert.

 

Überzeugende Akteure

Die Personen, welche, wie bereits erwähnt, mit viel Liebe zum Detail ausgearbeitet wurden, überzeugen in den „Blutigen Wogen“ nicht nur durch ihre besonderen Eigenschaften, sondern natürlich auch insbesondere dank der großartigen Sprecher, welche sie verkörpern dürfen. Besonders habe ich mich über Manou Lubowski gefreut, welcher mir als drogensüchtiger Sherlock Holmes echt ans Herz gewachsen war. Doch auch den Stimmen von Ilka Körting, Lisa Cardinale oder Merete Brettschneider lausche ich verdammt gerne. Weitere große oder tolle Stimmen dieser Produktion sind Kerstin Draeger, Felix Strüven oder auch Katja Keßler. Sie (und ebenso ihre hier nicht genannten Sprecherkollegen) verstehen es, das richtige Kopfkino ihrer Figuren entstehen zu lassen.

 

Story

Die Story weiß ebenfalls zu gefallen und besticht durch die schon erwähnte Ruhe, mit der man in die Geschichte eingeführt wird. An scheinbar belanglosen Situationen darf man als Hörer teilhaben und dabei spitzt sich das Geschehen immer mehr zu, immer mehr Details und Beweggründe der einzelnen Akteure kommen zum Vorschein. Manches ahnt man, andere Zusammenhänge lassen sich noch nicht zusammenbringen.

 

Deutscher Krimi

Es begeistert mich zudem, dass Produzent Piasecki und Autor Hammerschmidt mit dieser Produktion (erneut) belegen, dass gute und spannende Geschichten nicht immer aus dem Ausland, aus Amerika kommen müssen. Für mein Empfinden sind die deutschen Krimis wesentlich authentischer und längst nicht so over-acting oder gar überdreht. Die „Blutigen Wogen“ begeistern daher vor allem mit ihren „echten“ Figuren.

 

Sound & Co

Sound, Geräusche und Musik sind natürlich (wie immer) bei Contendo Media bestens durchdacht und inszeniert – ebenfalls mit Ruhe und Wirkung. Lediglich die maritime Stimmung, für die die Küsten-Krimis ja stehen, stellt sich bei mir hier nicht so recht ein – trotz des stimmungsvollen Akkordeon-Spiels von Jan-Peter Pflug. Dieser Krimi hätte in meinem Ohr fast überall in Deutschland spielen können. Aber man soll den Tag ja nicht vor dem Abend loben, denn wer weiß, was wir in Teil zwei noch alles zu hören bekommen.

 

Mein Fazit:

Ein zu Beginn recht ruhiger Küsten-Krimi, der sich viel Zeit nimmt, um die Personen einzuführen. In der zweiten Hälfte geschieht dafür umso mehr. Der Cliffhanger am Ende sorgt zudem dafür, dass man die Fortsetzung wie so häufig kaum erwarten kann!


Mareike Lümkemann

 

13.06.2023