MARK BRANDIS - 25 – Raumposition Oberon

MARK BRANDIS

25 – Raumposition Oberon 

FOLGENREICH

CD-Cover Mark Brandis 25 – Raumposition Oberon

„Welche Religion vertreten Sie eigentlich, Pater? – Ein weiser Mann hat mal gesagt, die Wege auf den Berg mögen verschieden sein, je nach dem aus welcher Himmelsrichtung Sie aufsteigen, aber die Aussicht vom Gipfel ist die gleiche. – Ja… Und das heißt? – Dass es nicht darauf ankommt, aus welcher Himmelsrichtung man kommt. Es geht uns nicht um eine Religion. Jede ist richtig und jede ist falsch. Es geht nur um das, wohin sie uns führen kann. Und wenn man einmal dort ist, gibt es keine Unterschiede mehr.“

2134: „Wenn die Not am Größten ist …“ heißt es in der Präambel der neu gegründeten Raumnotretter, deren Vormann Mark Brandis ist. Ohne Ansehen der Nationalität soll geholfen werden. Viel Zeit, sich in der neuen Einsatzzentrale auf dem Mond einzurichten, haben die Raumfahrer nicht, denn die Sprengung eines Raumschiffes hat in erdnaher Umlaufbahn eine Splitterwolke von tödlicher Geschwindigkeit entstehen lassen. Sie droht, alles zu zerkleinern, was ihr in den Weg kommt. Und so wird Brandis‘ erste offizielle Rettungsaktion gleich zur Feuertaufe …

Die Hörspiele bzw. Weltraumabenteuer von Mark Brandis sind einfach große Klasse. Daran gibt es nichts zu rütteln. Sie sind spannend und zugleich real, keinesfalls abgehoben oder nur Alien-Sience-Fiction. Denn das, was der Autor Nikolai von Michalewsky in den 80er-Jahren noch als Utopie verfasst hat, ist inzwischen schon bedrohliche Realität. Laut Schätzungen der russischen Raumfahrbehörde Rokosmos gefährden inzwischen Millionen Weltraummüllteilchen auf ihrer Erdumlaufbahn die Raumfahrt, Satelliten und selbst die ISS.

Doch nicht nur die Story ist greifbar, auch die verschiedenen Charaktere haben Ausstrahlung und Charisma, wie nicht viele andere Hörspielfiguren. Sie sind menschlich und fassbar – auch wenn Brandis doch hin und wieder zum echten Superhelden mutiert. Immerhin steht er stets für seine Freunde oder die gesamte Menschheit ein, ohne an die Folgen zu denken. Und dabei scheint er das Glück irgendwie immer auf seiner Seite zu haben. Manchmal würde ich persönlich mir daher ein bisschen mehr Überraschungs-momente wünschen, denn dass Brandis es am Ende doch wieder schaffen wird, ist eigentlich fast klar. Naja, aber eigentlich möchte man das als Hörer insgeheim auch so haben. Denn wir wollen beim Hörgenuss schließlich abtauchen, dabei unterhalten werden und an das Gute glauben. Dass man dabei hin und wieder erfährt, dass auch in der Zukunft nicht alles eitel Sonnenschein ist und die Akteure auch dort mit persönlichen Befindlichkeiten und anderen menschlichen Problemen zu tun haben, ist nur fair.

Die Story ist wie immer perfekt durchdacht und stimmt den Hörer auch schon auf die nächste Folge ein. Das Doppelfolgen-Konzept hat man bei Interplanar bzw. Universal also nicht komplett aufgeben. Dass bei einer solch namhaften Produktion alle Geräusche so klingen, als ob sie tatsächlich aus der Zukunft stammen, versteht sich ohne Zweifel von selbst. Jeder noch so kleinste Laut ist mit präzisem Fingerspitzengefühl und höchster Sorgfalt produziert worden.

So ist auch die Sprecherriege nach wie vor hochkarätig besetzt. Neben Stammsprechern wie Michael Lott, David Nathan, Martin Keßler, Martin Wehrmann oder Claudia Urbschat-Mingues ist für die Rolle des Pater Connery der renommierte Theater-, Film- und TV-Schauspieler Jürgen Thormann mit im Boot, der schon seit Jahrzehnten Stars wie Michael Caine oder John Hurt seine markante Stimme verleiht. Und für alle die, die immer noch mehr Informationen benötigen, denen rate ich zu einem Blick ins Booklet. Hier finden sich Kurzbiografien von drei „neuen“ Charakteren dieser Folge und weitergehende Infos zum Thema Weltraumschrott.

Ein besonderes Schmankerl hat sich das Label übrigens zur Veröffentlichung dieser Folge überlegt: Die Uraufführung von „Raumposition Oberon“ fand einen Tag vor dem offiziellen Veröffentlichungstermin, am 11.07. im Zeiss Planetarium Bochum statt. Ich bin fest davon überzeugt, dass keiner der Anwesenden eine Hörspiel-Premiere in solch einem besonderen Umfeld so schnell vergessen wird.


10. Juli 2013