Sherlock Holmes 46: Der Mann in Gelb

Sherlock Holmes

46: Der Mann in Gelb

Hörspiel von Marc Gruppe nach Sir Arthur Conan Doyle & Herman Cyril McNeile

Titania Medien

Gesamtspielzeit: ca. 67 Minuten

Altersempfehlung ab 12 Jahren

VÖ: 27.08.2021

CD-Cover Sherlock Holmes Der Mann in Gelb

„Jawohl! Ich habe es gelöst. Ha! Und ob ich es gelöst habe. Und wenn es bei der Polizei nicht so von höllischen Dummköpfen wimmeln würde, und es vielleicht auch etwas weniger Vorschriften in unserem Land gäbe, dann wäre die ganze Bande sicher heute Nacht bereits verhaftet worden. Schlangenbeschwörer… Pah! Ich fress´ einen Besenstiel, wenn sie wirklich welche sind.“

 

Nach jahrelanger Funkstille erhält Dr. Watson den Brief einer gewissen Marjorie Beaumont, die ihn und Holmes dringend um Hilfe ersucht. Angeblich trachtet eine religiöse Gemeinschaft ihrem Onkel nach dem Leben und peinigt ihn mit Drohbriefen. Nachdem eines Nachts eine mysteriöse Gestalt im Haus des Onkels gesehen wird und ebenso spurlos wieder verschwindet, beschließt Holmes, den vermeintlichen Tatort bei Nacht einmal genauer unter die Lupe zu nehmen ...

 

Mittendrin statt aus der Ferne

Nachdem Sherlock den Fall von Folge 45 quasi aus der Ferne gelöst hat, ist er nun wieder vor Ort dabei und dies natürlich mitten im Geschehen.
Sein Mitbewohner Dr. Watson erhält Post von einer alten Bekannten, wobei alt in diesem Fall keineswegs für das Alter der Dame steht. Marjorie Beaumont, die ihn und Sherlock in dem Brief um Hilfe bittet, ist nämlich noch ein junges Mädchen und Watson ist ihr aufgrund der ehemaligen Bekanntschaft zu ihren Eltern verbunden. Nach dem Tod der Eltern lebt das junge Mädchen, das sich bald verloben möchte, bei Ihrem Onkel und in dessen Haus erscheint immer wieder eine merkwürdige Gestalt in einem gelben Mantel.

 

Mehr Ernsthaftigkeit

Während sich die Vorgängerfolgen oftmals gerne mit Frotzeleien zwischen den beiden Hauptprotagonisten präsentierten, so ist diese Folge etwas ernster, enthält weniger Sprüche zwischen Watson und Holmes, dafür aber mehr Recherche (vor Ort) und Dialoge mit den anderen Akteuren. Und dennoch begeistert auch Nr. 46 der geheimen Fälle, da das ungleiche Ermittler-Duo auch ernsthaft bestens unterhält und mitreißt. Klar, tolle Sprecher begeistern einfach in jeder Situation und auch wenn hier etwas weniger vom typischen Watson-Sherlock-Dialog zu hören ist, so lauscht man doch auch diesem Fall gebannt. Und ganz nebenbei bemerkt, die eine oder andere Bemerkung Watson gegenüber kann sich Holmes selbstverständlich nicht verkneifen.

 

Spielfreude der Sprecher

Großen Anteil an dem Hörgenuss dieser Folge hat die allgemeine Spielfreude der Sprecher. Neben Joachim Tennstedt und Detlef Bierstedt liegt das auch an Maximiliane Häcke, Manfred Liptow oder Jan Makino, welche ihre Rollen ebenfalls authentisch und lebendig spielen.

Doch auch der undurchsichtige Hintergrund von „Onkel Henry“ sowie die verschiedenen, zu untersuchenden Aspekte halten den Hörer von Anfang an im Geschehen, welches – so viel möchte ich an dieser Stelle erwähnen – mit einem doch recht überraschenden Finale endet.

 

Authentische Stimmung

Was für mein Empfinden ebenfalls wieder einmal sehr gelungen ist, ist die Stimmung in dem alten Herrenhaus. Dies steht zwar im Vergleich zu anderen Geschichten nicht primär im Vordergrund, doch das Ambiente des Gebäudes wird zum Beispiel durch einen ganz leichten Hall in den Stimmen oder beim Treppensteigen deutlich. Das Haus, da auch schon auf dem Cover visualisiert wird, entsteht somit ohne weiters im Kopfkino, Sherlock und Watson gliedern sich ebenfalls ganz einfach ein.

 

Mein Fazit:

Die im Vergleich zum vorherigen Fall sehr aktive Detektivarbeit von Sherlock sowie die verhältnismäßig hohe Ernsthaftigkeit dieser Folge verdeutlichen einmal mehr die Vielfältigkeit dieser Reihe. Zudem könnten die beiden großartigen Hauptprotagonisten wahrscheinlich auch ganz ohne Gegenspieler oder Begleitung ein unterhaltsames Hörspiel gestalten. Aber weiteren tollen Sprechen an ihrer Seite, so wie es auch in diesem Hörspiel der Fall ist, kann aber wirklich gar nichts schiefgehen und ein unterhaltsamer sowie spannender Hörgenuss ist garantiert. 


Mareike Lümkemann

 

04.09.2021