GRUSELKABINETT - 166 –  Das alte Kindermädchen erzählt

Gruselkabinett

165 - Elizabeth Gaskell – Das alte Kindermädchen erzählt

Titania Medien

Gesamtspielzeit: ca. 60 Minuten

Altersempfehlung ab 14 Jahren

VÖ: 27.11.2020

CD-Cover Gruselkabinett Folge 165

„Als der Winter kam und die Stunden, in denen es Tageslicht gab, von Woche zu Woche weniger wurden, begann ich, nachdem ich Rosamond abends ins Bett gebracht hatte, Dinge wahrzunehmen, die mir zunehmend Furcht einflößten. – Schon wieder… Das, das ist doch die Orgel in der Halle. Diese Töne, sie … sie gehen durch Mark und Bein. – Als ich einmal mit Dorothy und James allein war, fragte ich sie natürlich danach, obwohl mich dies weiß Gott viel Überwindung kostete.“

 

Northumberland, 1852:
Nach dem Tod ihrer Eltern zieht die kleine Rosamond zusammen mit ihrem Kindermädchen Hester nach Manor House zu ihren Verwandten. Doch alsbald beginnt Hester, sich über das blasse Gesicht und die kalte Ausstrahlung ihrer Gastgeberin zu wundern. Als eines Abends die verwitterte Orgel zu spielen vermag und ein Kind an die Fensterscheibe klopft, ohne Spuren im Schnee zu hinterlassen, wird Hester klar, dass das Haus offenbar ein düsteres Geheimnis birgt …

 

Ein mysteriöses, altes Haus

Rosamond und ihr Kindermädchen Hester werden in Manor House bei ihren Verwandten untergebracht. Ein riesiges Haus, in welchem aber nur wenige Menschen leben. Warum darf der eine Teil des Hauses nicht betreten werden? Warum werden die Bilder von Miss Maude nicht aufgehängt und welches Geheimnis haben die beiden alten Frauen, die in dem Haus wohnen? Die junge und neugierige Hester wird schon bald am eigenen Leib erfahren, dass hier etwas nicht mit rechten Dinge zugeht.

 

Von einer britischen Schriftstellerin

Erdacht hat sich diese Geschichte Elizabeth Cleghorn Gaskell, eine britische Schriftstellerin des 19. Jahrhunderts. In ihren Werken widmete sie sich oft recht sozialkritisch der Rolle der Frau – einen Aspekt, welchen man auch in diesem Werk heraushören möchte, wenn man den will.

 

Starke weibliche Stimmen

Die Rolle der Frau ist in dieser Produktion allerdings auch akustisch bemerkenswert. Während die Produktionen aus dem Hause Titania oftmals recht maskulin besetzt sind, was allerdings schlichtweg der Story oder dem Werk geschuldet ist, so wartet diese Folge fast mit einer rein weiblichen Besetzungsriege auf, welche zudem fast als das Who-is-who der Sprecherinnen angesehen werden könnte: Claudia Urbschat-Mingues, Reinhilt Schneider, Daniela Hoffmann, Fabienne Hesse, Herma Koehn oder auch Julia DeLuise wären da neben vielen anderen tollen Namen zu nennen. Und auch eine ganz neue weibliche Stimme hat in dieser Produktion eine große Rolle: Marlene Bosenius ist zu hören und ich denke, bei diesem Nachnamen bedarf es keiner weiteren Erläuterungen.
Doch auch männliche Sprecher sind zu hören, allerdings in weit weniger großem Umfang: Horst Naumann, Jürgen ThormannLutz ReichertDietmar Wunder und Bert Stevens geben die Herren der Geschichte.

 

Viel Gruselfaktor

In Sachen Gruselfaktor hat dieses Hörspiel alles, was gebraucht wird. Ein großes, altes Haus, in welchem aus ungeklärten Gründen ein Gebäudeflügel nicht betreten werden darf, zwei merkwürdige alte Damen, die mitunter merkwürdige Dinge sagen und ein mysteriöses Orgelspiel einer Orgel, welche eigentlich gar nicht funktionsfähig ist. Als die Gesellschaft dann auch fast noch eingeschneit ist und das Mädchen verschwindet, ist die Gruselatmosphäre nahezu perfekt.

 

Hester in zwei Rollen

Gelungen empfinde ich auch den Wechsel zwischen alter und junger Hester. Während die alte Hester (Herma Koehn) als Erzählerin agiert, lauschen wir der jungen Hester (Julia DeLuise) direkt während der Geschehnisse. Julia DeLuise gefällt mir in dieser Rolle ganz hervorragend, nimmt man ihr das bemühte aber interessierte Kindermädchen in jeder Situation ab, spürt ihren Willen, ihre Neugierde ebenso wie ihre Verzweiflung. Eine durchweg optimale Besetzung.

 

 

Mein Fazit:
Ein tolles Hörspiel mit ganz viel (Grusel-)Atmosphäre, das durch die Leistungen der überwiegend weiblichen Sprecherriege überzeugt. Das Orgelspiel geht durch Mark und Bein und das musikalische Outtro bildet einen gelungenen Abschluss einer tollen Produktion. 


29. November 2020