Eisenhut und Sylter Spitze

 

Eisenhut und Sylter Spitze

Erik Albrodt

Contendo Media

Gesamtspielzeit: 70 Minuten

Altersempfehlung ab 16 Jahren

VÖ: 29. Juni 2018

CD-Cover Eisenhut und Sylter Spitze

„So, und jetzt trinkst du erstmal den Tee und entspannst dich. – Mmmm, ah, ich bin wirklich völlig durcheinander. Eben war Harald, unser Postbote, noch bei mir in der Küche und holt sich seine Salbe ab und im nächsten Moment droht mein Haus in die Luft zu fliegen. – Das ist verrückt. Manchmal geht das Leben schon seltsame Wege. Wenn Sammy noch am Leben wäre, wärst du nicht so überrascht worden. – Ja, stimmt. Sammys Nase hätte den Geruch von dem Gas viel, viel früher wahrgenommen. – Ja ja, Sammys Nase. Er hat immer sofort gerochen, wenn ich einen Leckerli für ihn in der Tasche hatte. – Ach was, er wusste einfach, dass du immer einen Leckerli für ihn dabei hattest.“

 

Das Verbrechen macht keine Ausnahmen. Zwei harmlos-liebenswürdige Rentnerinnen müssen auf der Sonneninsel Sylt feststellen, dass sich skrupellose Gangster in ihr beschauliches Leben drängen. Die Polizei kann ihnen nicht helfen... aber vielleicht Postbote Harald?

 

Auf nach Sylt

Nachdem wir in den ersten beiden Insel-Krimi-Folgen mit dem Ermittler-Duo Brekewoldt (mit „dt“) und Röwekamp unterwegs waren, lauschen wir nun den Erlebnissen der Rentnerinnen Marga und Hedwig sowie ihrem Postboten Harald mit einer dreisten Verbrecherbande. Was auf den ersten Eindruck etwas skurril klingt, ist es auch. „Eisenhut und Sylter Spitze“ ist kein toternster Krimi sondern eher eine äußerst unterhaltsame Krimi-Komödie, welche auch (fast) ohne Mord auskommt. Naja, eine Leiche gibt es natürlich schon, aber die ist halt nicht frisch. Frisch dafür soll der Gasgeruch sein, der sich in Margas Haus befindet. So argumentiert Horst, der sich als Mitarbeiter der Stadtwerke ausgibt. Gut, dass Marga doch nicht so harmlos-schusselig ist, wie sie vielleicht wirkt, und schnell feststellt, dass hier etwas faul ist. Und auch der liebenswert-naive Postbote Harald muss im Laufe der Ereignisse feststellen, dass es die alte Dame faustdick hinter den Ohren hat.

 

Super unterhaltsam

Mir hat dieser Insel-Krimi wunderbar gefallen. Die beiden Rentnerinnen zusammen mit Briefträger Harald geben ein super Team ab, dass man einfach nur mögen muss. Erik Albrodt, aus dessen Feder diese Geschichte stammt, versteht es genau den richtigen Grad zwischen Ernsthaftigkeit und Humor zu erwischen, so dass die Geschichte immer noch einen gewissen Realitätsbezug hat und nicht ins Alberne abdriftet, wie es vielleicht schnell bei einer entsprechenden TV-Umsetzung geschehen wäre.

Die Personen sind alle liebevoll gezeichnet und ihre die Stimmen großartig gecastet (Katja Brügger, Liane Rudolph, Sascha von Zambelly, Bodo Wolf), so dass man bereits nach wenigen Minuten eine sehr genaue Vorstellung von ihnen allen hat.

 

Sylt-Fans - aufgepasst!

Mein einziger Wehmutstropfen ist lediglich, dass der Bezug zur Lieblingsinsel der Deutschen für mich nicht ganz so deutlich wird. Der Ort, das Haus der alten Dame, könnte auch an einen beliebigen anderen Ort versetzt werden, da sich kaum etwas der Story außerhalb des Hauses von Marga bzw. Hedwig abspielt. Da sich viele der Ereignisse zudem im Haus abspielen, wurde zudem auch auf die typische maritime Akustik wie Meeresrauschen, Möwen oder ähnliches überwiegend verzichtet. Dem Hörgenuss, der Story tut dies selbstredend keinen Abbruch. Lediglich der Hörer, der viel Bezug zur Insel Sylt erwartet, sei an dieser Stelle etwas vorgewarnt.

 

Mein Fazit:

Ein super unterhaltsamer Krimi, der den norddeutschen Charme insbesondere durch die wunderbar gezeichneten ostfriesischen Charaktere überträgt. Das Ermittler-Trio mit Tee, Charme und Funkgerät versteht es, den Hörer mit Humor und einem schönen Überraschungsmoment im Finale in den Bann zu ziehen. 


Mareike Lümkemann

 

21. Dezember 2020