GRUSELKABINETT - 159 –  Das kalte Herz

Gruselkabinett

159 - Das kalte Herz

Titania Medien

Gesamtspielzeit: ca. 94 Minuten

Altersempfehlung ab 14 Jahren

VÖ: 27.03.2020

CD-Cover Gruselkabinett Folge 159 Das kalte Herz

„Da trat ein riesengroßer Mann in Flößerkleidung und eine Stange, so lang wie ein Mastbaum in der Hand, hinter den Tannen hervor. (…) Er war wohl einen Kopf größer als der längste Mann, den Peter je gesehen hatte. Sein Gesicht war nicht mehr jung, doch auch nicht alt, aber voll Furchen und Falten. Er trug ein Wams von Leinwand und die ungeheuren Stiefel über die Lederbeinkleider herauf gezogen, die Peter aus der Erzählung des Alten wohl bekannt waren.“

 

Im Schwarzwald, im frühen 19. Jahrhundert: Der junge Peter Munk hadert mit seinem ärmlichen Dasein als Köhler und begibt sich auf die Suche nach dem sagenumwobenen Schatzhauser, der ihm zu Ruhm und Ehre verhelfen soll. Er ahnt nicht, dass im dunklen Wald längst der diabolische Holländer-Michel auf ihn wartet, der es auf sein Herz abgesehen hat…

 

Was tut man nicht alles für Ruhm und Ehre....

Der junge Peter Munk arbeitet als Köhler, wünscht sich aber nichts sehnlicher, als zu Ruhm, Ehre und Reichtum zu gelangen. Da er als Sonntagskind, genau zur Mittagsstunde geboren wurde, macht er sich auf, den sagenumwobenen Schatzhauser zu suchen. Doch auch der so erworbene Reichtum macht Peter nicht glücklich und er gibt sein Herz doch noch an den Holländer-Michel ab. Natürlich mit fatalen Folgen, schließlich muss Peter nun mit einem Herzen aus Stein leben.

 

Ein Märchen als Vorlage

„Das kalte Herz“ ist ein 1827 erschienenes Märchen aus der Feder von Wilhelm Hauff. Und auch wenn es zu der Märchenliteratur gezählt wird, ist es doch anders wie zum Beispiel die fehlende typische Märchenformel “Es war einmal“ belegt.

Wahrscheinlich hat man sich auch wegen dieser Andersartigkeit der Erzählung für eine Umsetzung innerhalb der Gruselkabinett-Reihe entschieden. Das kalte Herz verfügt zwar über viele stimmungsvolle und mitunter auch schaurige Aspekte, eine wahre Gruselgeschichte hingegen ist das Märchen für mich leider nicht. Auch die sicherlich nicht von der Hand zuweisenden Zusammenhänge zur Epoche der Romantik reichen mir leider nicht aus, um der Folge einen festen Platz innerhalb der beliebten Titania-Reihe zu sichern. Der subtile Grusel, das Ungewisse, die geliebten Gänsehautmomente fehlen mir einfach zu sehr.

Dafür steht, wie so oft im Märchen die Botschaft mehr im Vordergrund. So präsentiert unter anderem „Das Herz aus Stein“ als Dingsymbol die sich immer stärker ausbildende Verbindung zwischen Reichtum, Geldgier und Hartherzigkeit.

 

Große Stimmen und bestens inszeniert

Dennoch ist die Folge 159 ohne Frage stimmungsvoll und hoch professionell inszeniert und wartet wie gewohnt mit vielen großen Stimmen (wie zum Beispiel Peter Weis, Horst Naumann, Regina Lemnitz, Reinhilt Schneider, Bert Stevens, Max Schautzer und Detlef Bierstedt) auf, die allesamt schnell die einzelnen Personen vor dem inneren Auge entstehen lassen.

Auch in Sachen Geräusche und musikalische Untermalungen wird man in Folge 159 bestens versorgt. Technisch und dramaturgisch ist hier definitiv rein gar nichts auszusetzen.  

 

Mein Fazit:

Das kalte Herz ist auf jedem Fall mal eine ganz andere Gruselkabinett-Folge. Wie gewohnt perfekt und mit Fingerspitzengefühl inszeniert, kommt aber leider in Punkto Grusel nicht an die meisten Vorgängerfolgen heran. Man hört einfach zu sehr, dass es sich hierbei um ein Märchen handelt. Wer sich daran nicht stört, wird somit auch von dieser Folge (die übrigens mit zwei CDs aufwartet) gut unterhalten werden. 


Mareike Lümkemann

 

11. April 2020